Chronik

>>BACK

Das Pavel-Haus 


1995 konnte der Artikel-VII-Kulturverein für Steiermark
in der Gemeinde Radkersburg-Umgebung ein Bauernhaus erwerben, das in der Bevölkerung unter dem Namen Grof-Haus bekannt ist. Durch finanzielle Unterstützung aus Slowenien und Österreich konnte der im Jahre 1837 erbaute Bauernhof, ein Hakenhof unter Rücksichtnahme auf die historisch wertvolle Substanz renoviert werden. Am 16. Mai 1998 wurde das Haus durch die Staatssekretärin für Auslandsslowenen, Mihaela Logar, und von Bruno Aigner (in Vertretung des amtierenden Nationalratspräsidenten Dr. Heinz Fischer) eröffnet.

Der Verein sieht das Kulturhaus einerseits als ein Begegnungszentrum zwischen Slowenien und Österreich, sozusagen zwischen Štajrern und Steirern, sowie als Kulturhaus für die ansässige mehr- und einsprachige Bevölkerung. Das Haus beherbergt eine ständige Schautafel-Ausstellung über die Geschichte der Slowenen in der Steiermark. Eine Vielzahl von Veranstaltungen, die sich einem interkulturellen Prinzip verpflichtet fühlen, zeugt vom gelebten Kulturbewußtsein dieser Region. Der in drei Sprachen lehrende Namesgeber Avgust Pavel weist darauf hin. 



Die
Steirischen Slowenen - Eine Schautafelausstellung 

Die Steirischen Slowenen werden im Artikel 7 des Staatsvertrages von 1955 explizit erwähnt.

Die Zuerkennung des Volksgruppenstatus läßt bis heute auf sich warten. Auf dem Gebiet des Bundeslandes Steiermark gab es immer schon Menschen, deren Muttersprache slowenisch war. Die im Pavel-Haus gezeigte Schautafelausstellung führt durch die Geschichte einer vergessenen, aber existenten Minderheit in der Steiermark bis zum heutigen Tag.



Der 1988 gegründete Artikel-VII-Kulturverein für Steiermark

Der Verein ist bemüht, dem slowenischen Anteil in der Steiermark einen Stellenwert einzuräumen, der ihm seit Jahrzehnten versagt blieb. Der Verein versteht seine Arbeit in einem übergeordneten europäischen Zusammenhang.

Neben dem Kulturhaus in Laafeld sieht der Verein als vorrangige Ziele seiner Arbeit die folgenden an: Die Anerkennung der Slowenen in der Steiermark politisch umgesetzt zu wissen sowie den Slowenischfreifachunterricht an den Schulen in der Steiermark zu erweitern.



Wer war Avgust Pavel? - Das gelebte Prinzip einer multiplen Identität.

Avgust Pavel war Sprachwissenschaftler, Volkskundler, Dichter, Dozent an der Universität Szeged und Museumsleiter. Geboren wurde er 1886 in Cankova (Kaltenbrunn/Vashidegkút) im heutigen Slowenien, unweit von Bad Radkersburg. In Szentgotthard (St. Gotthard/Monošter) besuchte er das Unterstufengymnasium, übersiedelte dann aber nach Szombathely, wo er die Oberstufe absolvierte.

Von 1905 bis 1909 studierte er an der Universität von Budapest Slawistik, Latein und Ungarisch. Zur gleichen Zeit siedelte sich seine Familie in Laafeld an, wo sie das Haus Nr. 30 bewohnte. Dort betrieben anfangs seine Eltern eine kleine Landwirtschaft, die dann von seinem Bruder Viktor übernommen wurde. Anfang der 20er Jahre starb der Vater und wird am katholischen Friedhof in Goritz/Gorica bei Radkersburg begraben. Das slowenische Grabmal des Vaters, Ivan Pavel, sowie das der jung verstorbenen Schwester Sidonja (Szidonia) sind heute noch erhalten.

1913 promovierte er aus slowenischer Philologie und heiratete im Jahre 1914 die Bürgerstochter Irene Benkö aus Szentgotthard (St. Gotthard/Monošter). Verwandte namemens Benko führten in Korovci (Karlsdorf/Karolyfa) einen Gasthof andere lebten in der Stadt Radkersburg.

Nach Beendigung des Militärdienstes war er als Gymnasiallehrer tätig, bis er 1920 den Posten eines stellvertretenden Direktors in Szombathely erhielt.

1927 verkaufte die Familie Pavel ihr Haus in Laafeld an Karl Grof und zog nach Slowenien. Der Bruder Avgust Pavels, Alfons, feierte 1929 seine Primiz in Cankova, verließ aber 1945 Jugoslawien und wirkte als Salesianer fortan in Kalifornien. Avgust Pavel habilitierte sich während der Horthy-Diktatur in Szeged, die Kriegsereignisse verhinderten aber eine Lehrtätigkeit. Avgust Pavel starb am 2.1.1946. Seine Tochter Judit, verehelichte Simon, lebt heute in Szombathely, sein Sohn in Chicago.


>>BACK