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Visualisierung von Grenzsituationen
Schengenblick
Pavel-Haus


Das Projekt setzt sich mit der Grenzsituation der Steiermark und seinem Nachbarland Slowenien einerseits und der Verdoppelung dieser Grenzsituation als EU- bzw. Schengenaußengrenze andererseits auseinander.


Eine der breiten Bevölkerung vom Fernsehen bekannte Wetterkamera wird in einem Weingarten in Novi Vrh in Slowenien installiert. Mit Blick auf die österreichische Seite. Der Blickwinkel reicht von der steirisch-slowenisch-ungarischen Grenze im Osten über den Hohenwechsel, die Fischbacheralpe, dem Schöckl, der Gleinalpe bis zur Koralpe. Durch den Blick "jenseits der Grenze" entsteht ein Setting, das den Begriff Identität hinterfragt.


Kamerablicke aus Slowenien, gerichtet auf Österreich und damit der Blick des Zusehers ist ein Ausgangspunkt des Projekts. Dieser mediatisierte Blick lehrt uns die Suche nach dem Sensationellen. Das Sensationelle liegt auf der anderen Seite eines trennenden Flusses. Das Sensationelle ist für Millionen der sogenannte freie Westen. Die Entstehung und der gesellschaftliche Umgang mit der Zentrum-Rand Dichotomie Graz versus Außengrenze einer inkludierenden/exkludierenden Konstruktion, deren Kulturhauptstadt im nämlichen Jahr einige Kilometer weiter nördlich stattfindet, war der gedankliche Ausgangspunkt, um den herum sich das Projekt konfiguriert.


Das Projekt Schengenblick thematisiert die mediale Konstruktion von Realität. Informationen über Einzelschicksale (Flüchtlinge) bleiben etwa in der medialen Berichterstattung im besten Fall bei kurzen Bildern der offiziösen steirischen Nachrichten hängen. So dass sich die Wahrnehmung auf solche kurzen Kamerabilder beschränkt. Das Projekt will diese Wahrnehmung hinterfragen. Unter Bezug auf die drei dramatischen Einheiten, Ort, Zeit und Handlung, scheint eine ORF Wetterkamera - unfähig zur Lüge - das probateste Mittel zu sein, um den Zuseher weitestgehend wertfrei mit Daten zu füttern. Diese Daten der Kamera werden aber bei "Schengenblick" zum Blick des Betrachters beziehungsweise zum Blick des Flüchtlings. Die Kongruenz von Spielzeit und gespielter Zeit, die Geschlossenheit der Handlung und die strenge Funktionalität der Teile zwingen den Betrachter die Rolle des Flüchtlings, knapp vor dem ersehnten Endziel, zu übernehmen. Die Schönheit des Panoramas mit Blick aus dem Weingarten wird durch die Tatsache gebrochen, dass der Betrachter durch den Blick des erniedrigten und entmenschlichten Individuums blickt, sozusagen seinen Platz einnimmt. Die gesellschaftliche Konstruktion von Identität wird fragwürdig.


Konzept: MICHAEL PETROWITSCH


Eine Koproduktion von Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas und dem Pavel-Haus