Publikationen

Signal  2000


01 Vorwort

02 Entwicklung und derzeitger Stand des Slowenischunterrichts in der Steiermark

03 Musikalische Feldforschung in der Südsteiermark

04 Tage, die Gornja Radgona bewegten

05 Unbekannte Nachbarn: Roma in Slowenien

06 Laafelder Archiv für Steiermark/Stajerska (LASS)

07 Der Radkersburger Philosoph Franz Weber (1890-1975): Leben und Bedeutung

08 Konzert des Avgust-Pavel-Chores aus dem ungarischen Porabje/Raabgebiet

09 Das Laientheater Teharje zu Gast im Pavel-Haus

Vorwort

Der Artikel VII Kulturverein für Steiermark hat nach seinem gewagten Schritt Ende 1998, den Rechtsweg einzuschlagen, um der slowenischen Volksgruppe in der Steiermark zu den ihr im Staatsvertrag von 1955 verbrieften Rechten zu verhelfen, im Jahr 2000 innerhalb weniger Monate sowohl vom Verfassungs- als auch vom Verwaltungsgerichtshof einen Negativbescheid erhalten. Durch diese Bescheide, wird die Anwesenheit einer slowenischen Minderheit in der Steiermark endgültig als nichtexistent in der steirischen Landesgeschichte festgeschrieben. 


Bedauernswert ist dies für all jene südsteirischen MitbürgerInnen, die sich aufgrund Ihrer Stigmatisierung nicht trauten, die von Ihnen nach wie vor angewandte slowenische Haussprache in die Öffentlichkeit zu tragen. Bedauernswert ist allerdings auch, daß die Verantwortlichen die Chance nicht genützt haben, dem slawischen Element in der Steiermark jenen Stellenwert einzuräumen, der ihm aufgrund der Geschichte unserer Region zukommen sollte. 


Trotz der Bescheide waren die Bestrebungen, die Existenz einer slowenischen Volksgruppe in unserem Bundesland vor ihrer endgültigen Assimilation als Fakt in die Geschichtsschreibung herüberzuretten, von mittelfristigem Erfolg gekrönt. So läßt sich einer kürzlich erschienen und als offizielles Standardwerk vorgestellten Publikation, die unsere Heimat in den letzten Jahrzehnten historisch festzuhalten sucht, folgendes entnehmen: "Nur wenige Steirer besonders im „Radkersburger Dreieck" sprechen zu Ende des 20. Jahrhunderts einen autochthonen slowenischen Dialekt. "(Karner, Die Steiermark im 20. Jahrhundert, S. 20). Die Frage, wie es dazu kam, daß es nur noch so wenige sind, wird leider wie so oft in diesem Zusammenhang nicht gestellt. 


Die Gründe der eingangs beschriebenen Entwicklung scheinen auf der Hand zu liegen und sind nach wie vor im ungeschriebenen Gesetz der Reziprozität zu suchen. Die Diskussionen über Avnoj-Dekrete, Rückgabeforderungen, EU-Beitritt und Kulturabkommen prägen die Nichtanerkennungsprozedur mit. Assimilation und weit bedauernswerter der Verlust einer Teilidentität also das Gegenteil dessen, was der Begriff „Europa" mit seinen Vielheiten für uns meint, prägen das gegenwärtige Geschehen. Weder das sogenannte Autochthone noch das explizit Multiple haben ohne passende politische Vorgaben Chancen, jenen Menschen eine Basis zu bieten, die ihre Zweisprachigkeit nach außen tragen wollen. 


In der Broschüre, die Sie nun in Händen halten, wird, wie Sie es bereits gewohnt sind, durch den Blickwinkel verschiedener Themenstellungen, unter anderem gerade diese Debatte prolongiert, die im herkömmlichen Geschichtsunterricht nicht in dieser Form abgehandelt wird. 


So setzen sich Norma Bale und Susanne Weitlaner mit dem Slowenischunterricht im Bundesland Steiermark auseinander und beantworten konkrete Fragen über die gegenwärtige Situation. Eva Maria Hois vom Steirischen Volksliedwerk berichtet über sensationelle Ergebnisse im Rahmen ihrer Feldforschungstätigkeit in der Südsteiermark und bringt den Beleg, daß das slowenische Wort und Lied auch auf der österreichischen Seite im Jahr 2000 noch präsent ist und aktiv genutzt wird. 


Boris Jaušovec wiederum dokumentierte als junger Journalist den sogennanten 10-Tagekrieg im Jahre 1991 in seiner Heimatstadt Gornja Radgona. Der Zustrom zur im Jänner 2000 im Pavel-Haus präsentierten Ausstellung seiner Dokumentarfotoarbeiten zeigte das große Interesse der südsteirischen Bevölkerung an der jüngeren Geschichte des südlichen Nachbarlandes und den lokalhistorischen Stellenwert der Photoarbeiten. 


Eine kleine in unseren Breiten weitgehend unbekannte Minderheit sind die Porabje-Slowenen. Ihre Existenz und ihre gelebte slowenische Identität zeigt uns die Vielfalt unserer Region. Es war uns eine große Freude, ihren Chor im Pavel-Haus begrüßen zu dürfen. 


Eine weitgehend vergessene bzw. aus unserer Wahrnehmung verdrängte Minderheit stellen nach wie vor die Volksgruppe der Roma dar. Ursula Glaeser beschreibt als Sprachwissenschaftlerin in ihrem Aufsatz unter anderem die dialektalen Unterschiede zwischen dem Burgenland-Romani und dem Prekmurje-Romani und verweist auf die stille Existenz geographisch nächstliegender Mitbürger, die in vielen Punkten auf die Umsetzung Ihrer Rechte warten. 


Eine der Funktionen des Pavel-Hauses, neben seiner Haupttätigkeit als transkulturelles Veranstaltungszentrum, ist die Dokumentation der Geschichte der Steirischen Slowenen. Neben der permanenten Schautafelausstellung beherbergt das Kulturheim nunmehr auch ein öffentlich zugängliches Archiv, das von Klaus Hermanik eingerichtet wurde. Diese Sammlung, mit dem Namen „Laafelder Archiv für Steiermark/Štajerska", beinhaltet Dokumente aus der Geschichte der steirischen Slowenen vor allem seit dem 19. Jahrhundert. 


Der Philosoph Franz Weber wird uns von Wolfgang Gombocz als zweisprachig sozialisierter Radkersburger vorgestellt. Durch seine Sozialisation wird einmal mehr die Mehrfachcodiertheit unserer Region dokumentiert. France Prešerens Geburtstag jährte sich im Jahre 2000 zum 200sten Male. Für das Pavel-Haus ein Anlaß, die engagierte Laientheatergruppe aus Teharje bei Celje einzuladen. Ein kleiner Bericht dieses gelungen Abends rundet unsere Rückschau ab. 


Abschließend erlaube ich mir noch auf den bunten Bilderreigen auf unserer letzten Seite zu verweisen, der die zahlreichen Veranstaltungen der letzten Monate dokumentarisch festhält und Ihnen, geschätzter Leser, unser transkulturelles Veranstaltungszentrum, das Pavel-Haus, als Ort der Begegnung für Gäste aus Nah und Fern präsentiert.

Mag. Michael Petrowitsch ist Geschäftsführer des Artikel-VII-Kulturvereins für Steiermark.