Signal
2000
01
Vorwort
02
Entwicklung und derzeitger Stand des Slowenischunterrichts in der Steiermark
03
Musikalische Feldforschung in der Südsteiermark
04
Tage, die Gornja Radgona bewegten
05
Unbekannte Nachbarn: Roma in Slowenien
06
Laafelder Archiv für Steiermark/Stajerska (LASS)
07
Der Radkersburger Philosoph Franz Weber (1890-1975): Leben und Bedeutung
08
Konzert des Avgust-Pavel-Chores aus dem ungarischen
Porabje/Raabgebiet
09
Das Laientheater Teharje zu Gast im Pavel-Haus
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Musikalische Feldforschung in der Südsteiermark
Die Südsteiermark wurde von der steirischen Volksmusikforschung lange Zeit vernachlässigt. Das hat viele Gründe; einer davon mag sein, daß dieses Gebiet, etwa im Vergleich zum Salzkammergut, in musikalischer Hinsicht als relativ wenig ergiebig galt. Da in diesem Gebiet deswegen kaum Forschungen betrieben wurden, gibt es heute im Steirischen Volksliedwerk auch wenig südsteirische Belege. Nicht zuletzt deshalb wurde vom Volksliedwerk das von der EU und dem Referat für Landes- und Regionalplanung des Amtes der Steiermärkischen Landesregierung unterstützte Interreg-Projekt “Feldforschung Südsteiermark” ins Leben gerufen.
Anfang Mai 1999 fuhren wir, gemeinsam mit dem Institut für Volksmusikforschung der Musikuniversität Wien unter Prof. Gerlinde
Haid, zum ersten Mal in diese Grenzregion - und wurden alle überrascht: In nur fünf Tagen konnten vier Teams zwischen der Soboth und Bad
Radkersburg, aber auch jenseits der Grenze über 700 Lieder in deutscher wie auch slowenischer Sprache sowie verschiedene Instrumentalstücke aufzeichnen. Ebenso reiche “Ausbeute” brachte die zweite Feldforschung im Mai dieses Jahres, wobei nicht nur die aufgenommenen Lieder und Instrumentalstücke interessant sind, sondern vor allem auch die Tatsache der in manchen Gebieten immer noch gepflegten Zweisprachigkeit.
Das Steirische Volksliedwerk will nun diese Aufzeichnungen nicht nur im Archiv bewahren, sondern sie auch der Bevölkerung wieder zugänglich machen; dies soll auch durch Liederblätter geschehen. Das erste Liederblatt - wie auch alle weiteren erscheint es in der vom Volksliedwerk herausgegebenen Reihe “meine Lieder - deine Lieder” - hätte ursprünglich eine repräsentative Auswahl aus den reichhaltigen Materialien dieser Feldforschung beinhalten sollen. Daß es nun doch in ganz anderer Form erschienen ist, kam so: Verschiedene Gewährspersonen hatten uns auf die beiden Sängerinnen Angela Haßmann und Anna Šopinger aufmerksam gemacht, die wir darauf hin aufsuchten. Und uns wurde nicht zuviel versprochen - bei bisher acht Treffen erzählten uns die Frauen nicht nur viel aus ihrem Leben an der Grenzen, sondern sangen an die zweihundert deutsche und slowenische Lieder vor. Das ist Grund genug, diesen Sängerinnen und ihrem reichhaltigen Repertoire ein eigenes Liederblatt zu widmen.
Angela Haßmann (geboren 1938) und Anna Šopinger (geboren 1932), vulgo Waucher, wohnen in der zu Leutschach gehörenden Gemeinde Schloßberg. Frau Šopinger, eine ehemalige Land- und Gastwirtin, wohnt gleich unter der Kirche von Sveti
Duh, Angela Haßmann betreibt wenige Kilometer von ihrer Freundin entfernt eine Buschenschank. Schon als Kinder sangen sie; seit mehr als vierzig Jahren tun sie das bei verschiedenen Gelegenheiten auch gemeinsam: Angela singt meist die Haupt-, Anna die Unterstimme und begleitet den Gesang auf ihrer Harmonika. Unterstützt werden sie, vor allem beim Singen der slowenischen Lieder, von Anna Šopingers Mutter Maria Kure (geboren 1907). Der Liederschatz der drei Frauen ist sehr groß und vielfältig, er reicht von alten, seltenen, von Verwandten übernommenen Balladen und Erzählliedern bis hin zu moderneren Schlagern und volkstümlichen Melodien, die durch den Rundfunk bekannt wurden. Angeregt durch unsere Feldforschung hat Anna Šopinger schon zwei Liederbücher angelegt, in die sie alle ihr bekannten Lieder eingetragen hat.
Eine kleine Auswahl aus diesem reichen und vielfältigen Liederschatz wurde nun in einem Liederblatt mit dem Titel “Aus der südsteirischen Feldforschung I: Deutsche und slowenische Lieder aus Schloßberg” veröffentlicht. Die 21 Lieder sind in der zweistimmigen Form wiedergegeben, wie sie die Frauen singen. Dieses Liederblatt wurde Ende November unter großer Beteiligung der Bevölkerung in der Buschenschank Haßmann in Schloßberg präsentiert. Anwesend waren, was die Veranstalter besonders freute, auch andere Gewährspersonen, etwa aus Bad Radkersburg und
Eibiswald.
Ein nächstes Liederblatt mit Liedern aus Radkersburg soll Ende März im Pavel-Haus der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Außerdem ist, als Zusammenarbeit des Steirischen Volksliedwerkes mit dem Institut für Volksmusikforschung der Musikuniversität Wien und dem
Artikel-VII-Kulturverein, eine CD geplant, die, mit allen Noten und Texten versehen und ausführlich kommentiert, besondere Feldforschungsaufnahmen aus der Südsteiermark beinhalten soll.
Da Liederbücher aber nicht singen, ist eine solche Feldforschung nur dann wirklich erfolgreich, wenn sie nicht nur etwas im Archiv bewahrt, sondern wenn ihre Ergebnisse wieder zurückfließen in die Bevölkerung und von dieser auch aufgenommen werden, das heißt, wenn die von uns aufgezeichneten Lieder gerade dort, wo sie noch Tradition haben, wieder verstärkt gesungen werden.
Das Liederblatt “Aus der südsteirischen Feldforschung I: Deutsche und slowenische Lieder aus Schloßberg” (= meine Lieder - deine Lieder 2/2000) kostet öS 20,- und ist zu beziehen über das Steirische Volksliedwerk, Herdergasse 3, 8010 Graz, Tel: + 43 (0) 316 - 877 2660, Fax: + 43 (0) 316 - 877 5587,
e-mail: buero@steirisches-volksliedwerk.at
Mag. Eva Maria Hois studierte Musikwissenschaft in Graz und ist seit 1992 wissenschaftliche Mitarbeiterin im
SteirischenVolksliedwerk, wo sie 1999 auch die Archivleitung übernahm. Seit 1996 ist sie außerdem auch im Spezialforschungsbereich “Moderne - Wien und Zentraleuropa um 1900” an der Uni Graz beschäftigt.
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