Publikationen

Signal  2000


01 Vorwort

02 Entwicklung und derzeitger Stand des Slowenischunterrichts in der Steiermark

03 Musikalische Feldforschung in der Südsteiermark

04 Tage, die Gornja Radgona bewegten

05 Unbekannte Nachbarn: Roma in Slowenien

06 Laafelder Archiv für Steiermark/Stajerska (LASS)

07 Der Radkersburger Philosoph Franz Weber (1890-1975): Leben und Bedeutung

08 Konzert des Avgust-Pavel-Chores aus dem ungarischen Porabje/Raabgebiet

09 Das Laientheater Teharje zu Gast im Pavel-Haus

 

Das Laientheater Teharje zu Gast im Pavel-Haus

Anläßlich des 200. Geburtstages
von France Prešerens schloß sich auch das Pavel-Haus den Feierlichkeiten an. So wurde das Laientheater Teharje (Celje) enagagiert, denn es schien uns interessanter, Prešerens Werk auch zu hören als nur zu lesen. Die siebenköpfige Schauspielgruppe belebte durch Rollenaufteilungen das poetische Werk. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Zitherspieler Peter Napret, der ebenfalls aus der Umgebung von Celje kommt und dort an der Musikschule Geige und Zither unterrichtet. Er ist Mitbegründer des erst vor kurzem gegründeten slowenischen Zithervereins und stets bemüht, den Stellungswert der Zither in Slowenien wieder anzuheben. 


France Prešeren wurde am 3. 12. 1800 in Vrba bei Jesnice geboren. Er besuchte das Gymnasium in Ljubljana, 1821 ging er nach Wien und studierte dort Rechtswissenschaften. 1828 kehrte er nach Ljubljana zurück und arbeitete in Anwaltskanzleien als Praktikant. 


Zwei große Lieben beeinflußten Prešeren sehr stark. Einerseits war da die Liebe zur unerreichbaren Julija Primic, die für ihn die größte Inspiration war, andererseits die realistische Liebe zur Haushaltshilfe Ana Jelovšek, mit der er drei uneheliche Kinder hatte und in mühsamen Lebensumständen lebte. Er übersiedelte nach Kranj, wo er am 8. 2.1849 starb. 


Die zentralen Werke Prešerens entstanden in den Jahren 1829 bis 1839. Höhepunkt dieser Periode ist das Gedicht Sonetni venec (Sonettreigen), das am 22. Februar 1834 in einer Sonderbeilage des Illyrischen Blattes erschien. Die Komposition besteht aus 15 Sonetten und einem Schlußvers am Ende. Die Akrosticha ergeben Primicovi Juliji (für Julija Primic). Größte Bedeutung hat aber wohl Prešerens “Trinklied/Zdravljica” bekommen. Es wurde nach der Unabhängigkeit Sloweniens zur Nationalhymne erkoren, wobei auf eine Strophe besonders hingewiesen sei:

Živé naj vsi naródi,
ki hrepené docakat’ dan,
de, koder sonce hodi,
prepir iz svetá bo pregnan,
de rojak
prost bo vsak,
ne vrag, le sosed bo mejak!

Es leben alle Völker,
die sehnend warten auf den Tag,
daß unter dieser Sonne
die Welt dem alten Streit entsag!
Frei sei dann
jedermann,
nicht Feind, nur Nachbar mehr fortan!
(Übersetzung: Klaus Detlef Olof)

Der Weg zu einer hohen sprachlichen Kultur war in der Zeit von Metternichs Absolutismus die einzige Möglichkeit für ein kleines, weitgehend untergeordnetes Volk zu Anerkennung sich zur Anerkennung zu bringen. Prešeren gelangte insbesondere mit seinen Sonetten zu einer repräsentativen Form europäischer Dichtkunst. So gilt Prešeren noch heute als Schlüsselfigur der slowenischen Literatur. 


Susanne Weitlaner