Publikationen

Signal  2001


01 Vorwort

02 Portrait Josef Matl

03 Die Deutschen in Slowenien 1918-1941

04 Die Stajerc-Partei in den Jahren 1914-1918

05 Die neuen Nachbarn

06 Steirer und Stajrer - Ein Sprachenfest

 

Die Deutschen in Slowenien 1918-1941

Noch immer privilegierte Gruppe oder unterdrückte Minderheit?


Auf dem Gebiet Sloweniens in den Grenzen von 1921 lebten nach der Volkszählung des Jahres 1910 rund 106.000 (9,4 %) Personen, welche als Umgangssprache bzw. Muttersprache das Deutsche angaben. Als das Königreich SHS im Jahr 1921 die Muttersprache seiner Bewohner erhob, erklärten in Slowenien 41.514 (3,9 %) Personen Deutsch als ihre Sprache, zehn Jahre später waren es nur noch 28.998 (2,6 %). Über die Hintergründe dieser Entwicklung ist in der zeitgenössischen Geschichtsschreibung und Publizistik auf slowenischer wie auf deutscher bzw. österreichischer Seite viel diskutiert worden, und bis heute sind sich die Fachleute über manche Erklärungsmodelle nicht einig. Im Folgenden sollen die wichtigsten Thesen und überlieferten Meinungen vorgestellt und kritisch betrachtet werden.

 

Mag. Michael Petrowitsch und Mag. Reinhard Reimann


1.      Am 1. November 1918 verabsäumten es die Steiermärkische Landesregierung und das Grazer Militärkommando, die nördliche Untersteiermark militärisch besetzen zu lassen und so für Österreich zu erhalten.

Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie Anfang November 1918 war die Ernährung der Bevölkerung die vordringliche Aufgabe aller politischen Handlungsträger. Die Landesregierung der Steiermark, welche ihre Lebensmittel vorwiegend aus der agrarisch dominierten Untersteiermark bezog, befürchtete Unruhen in den obersteirischen Industriebezirken und in Graz; kommunistische und sozialdemokratische Agitatoren trugen mit ihren Streikdrohungen zur Verschärfung der Lage bei. Der Ende September 1918 gegründete slowenische „Nationalrat für Steiermark„ („Narodni svet za Štajersko„) erachtete es seinerseits für vordringlich, die Ernährung der vorwiegend slowenischen Bevölkerung der Untersteiermark zu gewährleisten. Er nützte die prekäre Lage der Steiermärkischen Landesregierung aus, setzte in den letzten Kriegstagen bei der k. k. Statthalterei in Graz die Ernennung von Slowenen zu Leitern der untersteirischen Bezirkshauptmannschaften (diese waren für die Verteilung der Lebensmittel zuständig) durch und verbot Lebensmitteltransporte in die deutsche Steiermark. Die Steiermärkische Landesregierung war daher auf Verhandlungen mit den slowenischen Repräsentanten angewiesen; bereits am 7. November schloss die deutschösterreichische Regierung mit der Laibacher „Nationalregierung für Slowenien und Istrien„ („Narodna vlada za Slovenijo in Istro„) ein erstes Abkommen in Wirtschaftsfragen. Am 1. November 1918 versuchte das Militärkommando in Graz, die Befehlsgewalt über die Garnison in Marburg zu erhalten. Nachdem der slowenische Offizier Rudolf Maister an diesem Tag bereits das Kommando in Marburg übernommen hatte, wäre eine „Rückgewinnung„ Marburgs nur mit Gewalt möglich gewesen, wozu disziplinierte Truppen in entsprechender Stärke und ausreichender Nachschub (vor allem an Lebensmitteln) nötig gewesen wären – beides war jedoch nicht vorhanden. Von „Untätigkeit„ oder „Unfähigkeit„ der Grazer Stellen kann man daher nicht sprechen.

 
2.      Die militärische Machtübernahme in Marburg durch die Slowenen ist allein der Initiative von Rudolf Maister zuzuschreiben.

De slowenische Major Rudolf Maister war im Oktober 1918 Befehlshaber des 26. Landsturmbezirks. Dieser Landsturm war während des Krieges für die Erhaltung der Ordnung im Hinterland und für die Rekrutierung des Truppenersatzes für die Front zuständig; sein 26. Bezirk erstreckte sich fast ausschließlich auf slowenisches Siedlungsgebiet. Als der Krieg Anfang November 1918 zu Ende ging und neben dem Heimtransport der Truppen von der Front die Aufrechterhaltung der Ordnung zur wichtigsten militärischen Aufgabe wurde, konnte Maister als der dafür Zuständige daher auf „seine„ Soldaten zurückgreifen, um die militärische Gewalt über die nördliche Untersteiermark zu gewinnen. Er brauchte deshalb nicht, wie er in seinen Memoiren überliefert, auf einer Offiziersversammlung von ranghöheren deutschösterreichischen Offizieren die Übertragung des Kommandos verlangen und ihnen mit dem Kriegsgericht drohen (diese „Heldensage„ wird in der slowenischen Literatur häufig unreflektiert übernommen). Maister wurde am 1. November 1918 vom slowenischen Nationalrat für Steiermark zum General ernannt – und ernannte sich nicht selbst, wie von deutschösterreichischer Seite oft behauptet. Rudolf Maister war ein tüchtiger Offizier, der durch sein Handeln zur Gewinnung einer günstigen „slowenischen Nordgrenze„ für Jugoslawien beitrug. Das Bild eines slowenischen „Nationalhelden„ wird jedoch dadurch getrübt, dass er im Winter 1918/19 etliche Untaten, mit welchen er nicht nur seine Kompetenzen, sondern auch Recht und Gesetz überschritt, gegenüber der deutschen Zivilbevölkerung in der Untersteiermark beging (Geiselnahmen, Duldung von Übergriffen slowenischer Soldaten, gewaltsame Entfernung von Beamten aus ihren Dienstposten).

 
3.      Die Steiermärkische Landesregierung verabsäumte die militärisch-politische Wiedergewinnung der nördlichen Untersteiermark.

Nachdem die militärischen Aktionen des aus Zelting bei Radkersburg stammenden Oberleutnants Hans Mikl und des vom Stradener Arzt Willibald Brodmann geführten Bauernkommandos im unteren Murtal im Feber 1919 gescheitert waren, wurde der Misserfolg häufig auf mangelnde Unterstützung durch die Steiermärkische Landesregierung zurückgeführt. Die militärische Lage der deutschsteirischen Seite war allerdings im Winter1918/19 sehr ungünstig: Die Truppen waren nach der Niederlage im Weltkrieg zum guten Teil demoralisiert (dies galt im geringeren Maße für die Slowenen, welche ihre „nationale Befreiung„ erlebten), die Nachschublager in Graz waren leer (während General Maister in Marburg das große und gut gefüllte Lebensmittellager „geerbt„ hatte, welches der Versorgung der Isonzofront gedient hatte), weder Mikl noch Brodmann verfügte über eine Strategie zur Besetzung Marburgs und nicht zuletzt versetzte die hohe Schneelage jeden Angreifer in eine schlechte Ausgangslage (auch im Kärntner Abwehrkampf gab es bis April 1919 nur kleinere Scharmützel). In Kärnten hingegen war seit dem Zerfall Österreich-Ungarns das Klagenfurter Militärkommando mit seinen Nachschubstellen in deutschösterreichischer Hand geblieben, ebenso die wichtigsten Anbaugebiete des Landes, nämlich das Zollfeld und das Krappfeld; daher konnte man im April 1919 zur Offensive übergehen, welche jedoch Anfang Juni mit einer militärischen Niederlage und der Besetzung Klagenfurts durch jugoslawische Truppen endete. Die Tatsache, dass es in Kärnten Kampfhandlungen gab, wurde auf der Pariser Friedenskonferenz erörtert und trug zum Entschluss bei, die Bevölkerung Südkärntens in einer Volksabstimmung ihre zukünftige staatliche Zughörigkeit bestimmen zu lassen, allein entscheidend war sie jedoch bei weitem nicht, vielmehr handelte es sich um einen Kompromiss der Großmächte. Spekulationen darüber, ob eine Volksabstimmung in der nördlichen Untersteiermark nach Kärntner Vorbild eine Mehrheit für Österreich ergeben hätte, sind müßig, weil die äußeren Bedingungen (territoriale Abgrenzung eines Abstimmungsgebietes) entscheidend und für das Abstimmungsverhalten der Bevölkerung nicht nur nationalpolitische, sondern vor allem auch wirtschaftliche Beweggründe ausschlaggebend sind. Für die Untersteiermark wurden konkrete Pläne eines Plebiszits jedoch nicht ausgearbeitet, wenngleich ein solches in Graz grundsätzlich befürwortet und in Laibach befürchtet wurde. Der Vorwurf der Untätigkeit traf im Frühjahr 1919 auch die „Landesregierung für Slowenien„ („Deželna vlada za Slovenijo„) in Laibach, beispielsweise von Seiten General Maisters. Eine Besetzung Klagenfurts lehnte die Landesregierung übrigens mit dem Hinweis ab, dass sie die Versorgung der Kärntner Bevölkerung nicht sicherstellen könne. Erst als serbische Truppen im Mai 1919 in die Kampfhandlungen eingriffen, konnten Belgrader Stellen dafür in die Pflicht genommen werden.

 
4.      Die Deutschen Sloweniens gehörten privilegierten sozialen Schichten an und mussten ihre Vorrangstellung 1918 mit der Änderung der politischen Verhältnisse verlieren.

Die Deutschen in der Untersteiermark lebten mit Ausnahme der Bauern auf dem Abstaller Feld und um Mahrenberg sowie einiger Arbeiter als Bürger, Industrielle und adelige Großgrundbesitzer in den Städten und Märkten des steirischen Unterlandes, welche als Sprachinseln vom geschlossenen slowenischen Sprachgebiet umgeben waren. Sie waren zahlenmäßig eine kleine Minderheit, die im habsburgischen Österreich einen Anteil von 15 Prozent an der Gesamtbevölkerung der Untersteiermark in keiner Erhebung überschritt. In der Zeit der nationalen Auseinandersetzungen in Cisleithanien vor 1918 nutzten sie, gestützt auf die Wiener und Grazer Regierung sowie auf die weitgehend deutsche höhere Beamtenschaft, ihre führende gesellschaftliche Rolle aus, den Slowenen eine durchgehende Gleichberechtigung im öffentlichen Leben zu verwehren. In Krain war die Situation der deutschen Bevölkerungsgruppe jedoch grundlegend anders. Mit der Demokratisierung des Wahlrechtes gelang es den Slowenen, in Landtag, Landesregierung und Gemeinderäten die absolute Mehrheit an Sitzen zu erlangen. Damit schwand die Attraktivität, sich nationalpolitisch deutsch zu orientieren (wie in den mehrheitlich deutschen Kronländern Steiermark und Kärnten). Am Vorabend des ersten Weltkriegs gab es daher eine relativ kleine deutsche Minderheit in der Stadt Laibach, welche dem Bürgertum angehörte, und einige deutsche Adelige und Bürger lebten verstreut im Land. Die weitaus größte Gruppe deutscher Zunge in Krain stellten jedoch die Bewohner der Sprachinsel Gottschee. Dieser im Süden des Landes gelegene Landstrich, hauptsächlich von Bauern und Waldarbeitern bewohnt, bot so schlechte wirtschaftliche Voraussetzungen, dass seit den 1880-er Jahren rund ein Viertel der Bevölkerung die Heimat verlassen hatte, meist Richtung Amerika; in der Zwischenkriegszeit lief diese Auswanderungsbewegung weiter.

 
5.      Die Deutschen in Slowenien konnten nach 1918 ihre wirtschaftliche Vorrangstellung behaupten.

Verschiedene Statistiken aus der Zwischenkriegszeit belegen, dass die deutschen Adeligen und Industriellen in Slowenien ihre wirtschaftliche Stellung behaupten, in einzelnen Fällen durch die Gewinnung neuer Absatzmärkte in Jugoslawien sogar ausbauen konnten. Auch Gewerbetreibende und Kaufleute vermochten ihre Position zum guten Teil zu halten. Dies ist allerdings nicht ein Verdienst der jugoslawischen Politik, denn diese hatte ganz andere Absichten: Bereits einen guten Monat nach dem staatsrechtlichen Umbruch Anfang November 1918 schränkte die Laibacher Regierung den wirtschaftlichen Verkehr mit Deutschösterreich ein und installierte eine strenge Zollkontrolle. Deutsche Gewerbetreibende und Kaufleute im Inland mußten zudem mit Boykottaufrufen gegen ihre Unternehmen fertig werden. Am 30. Dezember 1918 stellte die Nationalregierung in Laibach sämtliche Unternehmen unter Staatsaufsicht, die im Verdacht standen, einen Teil ihres Gewinnes ins Ausland abzuführen, worunter nicht nur Firmen mit Sitz außerhalb Jugoslawiens verstanden wurden, sondern auch Unternehmungen im Besitz einheimischer Deutscher. Die Belgrader Zentralregierung dehnte am 5. Februar 1919 die Gültigkeit der aus den Jahren 1915 und 1916 stammenden serbischen Gesetze über die Sequestration des Vermögens von Untertanen feindlicher Staaten auf das gesamte Gebiet des Königreiches SHS aus. Die serbische bzw. jugoslawische Delegation auf der Pariser Friedenskonferenz verlangte die Genehmigung zur Einziehung des Vermögens der „feindlichen Ausländer„; der Friedensvertrag von St. Germain schrieb jedoch ausdrücklich vor, dass solches Vermögen, sofern es auf dem Gebiet der früheren Habsburgermonarchie sequestriert worden war, den Eigentümern zurückgestellt werden mußte. Die staatliche Beaufsichtigung deutscher Unternehmen im Inland wurde durch ein Gesetz aus dem Jahr 1922 aufgehoben. Die Sloweniendeutschen verloren jedoch durch die staatliche Beaufsichtigung ihrer Betriebe, welche in manchen Fällen den mehrheitlichen Übergang der Besitzanteile in slawische Hand nach sich zog, und durch die 1919 begonnene Agrarreform einen Teil ihrer bisherigen wirtschaftlichen Vorrangstellung. Im Jahr 1936 wurde die Vorschrift erlassen, dass Ausländer (und nach einer vertraulichen Weisung auch Inländer deutscher Nationalität) in einem fünfzig Kilometer breiten Streifen an der Staatsgrenze eine besondere Bewilligung zum Grunderwerb benötigten; diese Bestimmung konnte den „deutschen Besitzstand„ in der nördlichen Untersteiermark allerdings nicht wesentlich schmälern.

 
6.      Die deutsche Bevölkerung Sloweniens genoss international garantierte Minderheitenrechte.

Die alliierten und assoziierten Hauptmächte einerseits und das Königreich SHS andererseits schlossen in St. Germain im Herbst 1919 einen Minderheitenvertrag, welcher den in Jugo-slawien lebenden nationalen und religiösen Minderheiten einen Mindestschutz zusicherte. Der Vertrag verbot die Diskriminierung der Minderheitenangehörigen, garantierte ihnen die freie Verwendung ihrer Sprache im Privat- und Geschäftsleben sowie „angemessene Erleichterungen„ in der Verwendung ihrer Muttersprache vor Gericht; ferner sah er vor, daß die Minder-heiten auf eigene Kosten Bildungs- und soziale Einrichtungen erhalten und in diesen ihre Sprache frei verwenden dürfen, schließlich sollten für die Minderheiten nach Bedarf Schulen mit der Minderheitensprache als Unterrichtssprache geschaffen werden. Obwohl der Minderheitenvertrag am 16. Juli 1920 in Kraft trat, wurde er im slowenischen Amtsblatt erst am 29. September 1921 veröffentlicht; der SHS-Staat setzte seine Verpflichtungen aus dem Vertrag in den folgenden Jahren in keinem einzigen innerstaatlichen Gesetz um, obwohl er sich verpflichtet hatte, die Artikel über die Gleichberechtigung der Minderheitenangehörigen, über die Verwendung der Minderheitensprachen bei Gericht und über das Recht auf Einrichtung privater Bildungsanstalten zu Grundgesetzen zu erheben, und der Vertrag unter der Garantie des Völkerbundes stand. Die am 28. Juli 1921 angenommene Verfassung des Königreiches SHS (Veitstagsverfassung) erwähnte die nationalen Minderheiten nur in einem einzigen Artikel, welcher ein Gesetz über den Elementarunterricht in den Minderheitensprachen in Aussicht stellte; ein solches Gesetz wurde jedoch niemals beschlossen. Auch die Praxis der Behörden war alles andere als minderheitenfreundlich. Durch einfache Verordnungen der Laibacher Regierung aus den Jahren 1918 und 1919 wurden fast alle deutschen Beamten entlassen und mussten mangels Erwerbsmöglichkeit nach Deutschösterreich abwandern. Auch die bei der (privaten!) Südbahngesellschaft beschäftigten Eisenbahner wurden wegen „Illoyalität„ oder mangelnder Slowenischkenntnisse entlassen. In zahlreichen Fällen warteten die Behörden nicht auf den „freiwilligen„ Abzug der Deutschen, sondern wiesen die „nationalen Hetzer„ über Nacht aus. Das kulturelle Leben der Deutschen wurde durch die Auflösung der allermeisten deutschen Vereine im Jahr 1919 schwer getroffen; Vereine, die bestehen bleiben durften oder neu gegründet wurden, wie etwa der „Schwäbisch-deutsche Kulturbund„, sahen sich behördlichen Schikanen ausgesetzt. Besonders rigoros gingen die Behörden im Schulwesen vor. Noch während des Schuljahres 1918/19 wurden zahlreiche Schulen mit deutscher Unterrichtssprache geschlossen oder in slowenische Anstalten umgewandelt. Staatliche oder private deutsche Schulen gab es nach 1919 nicht mehr, die letzte deutsche Parallelklasse an einer Mittelschule wurde 1925 aufgelassen. Bei der Einschreibung in deutsche Parallelklassen an Volksschulen wurden Kinder abgelehnt, die einen slawischen Elternteil oder einen slawisch klingenden Nachnamen hatten, denn sie wurden als „Renegaten slawischer Abkunft„ betrachtet.

 
7.      Die deutsche Minderheit in Slowenien wurde systematisch unterdrückt.

Nachdem jugoslawische Staatsbürger deutscher Nationalität an den Wahlen in die verfassungsgebende Nationalversammlung des Königreiches SHS und an den nachfolgenden Gemeinderatswahlen nicht hatten teilnehmen dürfen, konnten sie sich nach 1921 ins politische Leben integrieren und in einigen Gemeinderäten beachtliche Vertretung finden. Das Königreich SHS war hinhaltend demokratisch, und gerade in den ehemals österreichischen Gebieten wirkte eine gewisse rechtsstaatliche Tradition sich auch für die Minderheit positiv aus; auch das autoritär geführte Jugoslawien nach 1929 verfolgte seine nationalen Minderheiten nicht (wie etwa das faschistische Italien oder das nationalsozialistische Deutsche Reich). Die in den Anfangsjahren des SHS-Staates erlittenen Erniedrigungen hatten freilich zur Folge, dass die Deutschen Sloweniens ein positives Verhältnis zu ihrem Staat nicht gewannen und zur Verbesserung ihrer Lage auch auf Hilfe von außen hofften. Mit Verweis auf die Situation der Kärntner Slowenen weigerte sich Jugoslawien jedoch, entsprechende Schritte zu setzen. Der zahlenmäßige Rückgang der deutschen Bevölkerung erklärt sich einerseits aus der geänderten Fragestellung in den Volkszählungen (Muttersprache statt Umgangssprache) und einer gewissen freiwilligen Abwanderung nach der Änderung der staatsrechtlichen Verhältnisse, andererseits aus den geschilderten Assimilationsmaßnahmen der slowenischen Behörden, welche den Deutschen nur einen geringen Spielraum zur national-kulturellen Entfaltung ließen und viele von ihnen zur Auswanderung zwangen oder dazu veranlassten, ihre Zugehörigkeit zur Minderheit nicht zu deklarieren. Ein dauerhafter Ausgleich zwischen Slowenen und Deutschen in der Untersteiermark und Krain konnte nicht gefunden werden, auch wenn es auf lokaler Ebene Ansätze eines nationalen Ausgleichs gab.

 
8.      Nach 1933 wurden alle Deutschen Sloweniens zu Nationalsozialisten.

Dass eine nationale Minderheit zur Verbesserung ihrer Lage Hilfe jenseits der Grenzen suchte, war durchaus legitim – die Kärntner Slowenen verfuhren nicht anders und halten es heute noch so. Seit Mitte der zwanziger Jahre suchten die Deutschen Sloweniens Unterstützung zur Vertretung ihrer nationalpolitischen Anliegen immer weniger bei Österreich, sondern beim Deutschen Reich. Nach Hitlers „Machtergreifung„ sahen viele die Chance, dass ein gestärktes Deutschland durch Druck auf die Belgrader Regierung ihre Lage verbessern würde. Bereits 1933 begrüßten Repräsentanten der Sloweniendeutschen das neue Regime, und mit den politischen und wirtschaftlichen Erfolgen des NS-Regimes in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahren übte der Nationalsozialismus eine immer größere Anziehungskraft aus. Berliner Stellen griffen immer direkter in minderheitenpolitische Entscheidungen der Jugoslawiendeutschen ein, und Zugeständnisse in Minderheitenfragen wurden nicht mehr einer moderateren Haltung der Belgrader Regierung zugeschrieben, sondern dem immer einflussreicher werdenden „Dritten Reich„. Nach dem „Anschluss„ Österreichs gelang es NS-Organisationen, in Slowenien ein Netz von Vertrauensleuten aufzubauen, und vereinzelt kam es zu irredentistischen Kundgebungen, vor allem auf dem Abstaller Feld und in der Gottschee. Dennoch wäre es falsch zu behaupten, dass mehr oder weniger alle Deutschen in Slowenien oder zumindest die Mitglieder des „Schwäbisch-deutschen Kulturbundes„ Nationalsozialisten waren und als fünfte Kolonne an der Zerschlagung Jugoslawiens im April 1941 mithalfen.

 

Mag. Reinhard Reimann ist Historiker