Signal
2001
01
Vorwort
02
Portrait Josef Matl
03
Die Deutschen in Slowenien 1918-1941
04
Die Stajerc-Partei in den Jahren 1914-1918
05
Die neuen Nachbarn
06
Steirer und Stajrer - Ein Sprachenfest
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Die
Štajerc-Partei in den Jahren 1914 bis 1918
Die Štajerc-Partei wurde in Ptuj, am 27. Januar 1907 gegründet,
die
Begrüssungsansprache hielt J. Ornig, das Parteiprogramm stellte Karl
Linhart vor. In die Parteiführung wurden bedeutende Männer aus Ptuj
und ein Vertreter von Kärnten gewählt.[1]
Das Programm setzte sich aus 28 Punkten zusammen und "da die
Partei für gesamte Länder, d.h. Steiermark, Kärnten und Krain,
gelte, werde sie den gemeinsamen Namen "Fortschrittspartei"
tragen".[2]
Ihre Aktivät kam am deutlichsten bei Gemeinde-, Landtags- und
Nationalratswahlen zum Tragen.
Anlässlich des Attentats in Sarajevo veröffentlichte die Partei im
Periodikum Štajerc eine besondere Proklamation, in der sie zur
Grossversammlung am Sonntag, dem 5. Juli 1918, in Ptuj aufrief.[3]
Die Versammlung, an der mehr als 500 Leute teilnahmen, fand im
Vereinshaus in Ptuj statt. Sie wurde von Karl Linhart eröffnet, er
sprach "in beiden Sprachen", nur deutsch sprach hingegen der
Bezirksvorsteher und Bürgermeister von Ptuj J. Ornig. Der Hauptredner
war Redakteur Linhart, der die Verantwortung für das Verbrechen in
Sarajevo der serbischen Regierung zuschob. Im Namen der Partei schlug
er eine Resolution vor, die auch angenommen wurde. Darin verurteilte
er "den wahnsinnigen Ausbruch des grossserbischen
Fanatismus" und rief zu treuer Loyalität gegenüber dem österreichischen
Staat auf. Zu Bezirkshauptmann von Natoliczki wurde eine gewählte
Deputation entsandt, die ihm die oben erwähnte Resolution übergab.[4] Der Kaiser dankte in einem Sonderschreiben der Štajerc-Partei
für die abgehaltene Beileidsveranstaltung in Ptuj.[5]
In 1915 und 1916 wurde die Štajerc-Partei in ihrem Blatt Štajerc
nicht erwähnt, was im Sinne ihres Programms doch unverständlich war.
Dieses Nichtaufscheinen kann nur mit der These erklärt werden, dass
die Partei nur formal existierte, denn ihr offizielles Programm
stimmte mit der Programmorientierung der Zeitschrift Štajerc völlig
überein, was am besten an ihrem Inhalt und der Schreibweise zu
erkennen war.
An die Öffentlichkeit und im Štajerc trat die Partei erneut Anfang
1917, als sie einen Leitartikel veröffentlichte, in dem sie ihre
traditionelle österreichische Einstellung und ihre Einsetzung für
die Unteilbarkeit der österreichischen Kronländer hervorhob, den
Grossmächten aber damit drohte, mit ihren eigenen Nationalproblemen
fertigzuwerden.[6]
Die Partei "ruhte" erneut bis Ende Juli 1917, bis sie
empfand, dass eine starke Deklarationsbewegung im Entstehen war. Aus
diesem Grunde lud sie mit zwei Anzeigen die Bevölkerung zur
Versammlung der Štajerc-Partei in Ptuj ein und schlug eine aktuelle
Tagesordnung vor - Krieg und Frieden.[7]
An der Versammlung, die am Sonntag, dem 29. Juli 1917 im Garten des
Vereinssaals in Ptuj stattfand, nahmen über 1000 Besucher teil, vor
allem aus dem Bezirk von Ptuj. Die Versammlung eröffnete im Namen der
Partei Karl Linhart in deutscher und slowenischer Sprache, wobei er
ausdrücklich Franc Girstmayer aus Maribor und Regierungsvertreter Dr.
Schrey willkommen hieß. In der Rede betonte er den Wunsch der Bevölkerung
nach Frieden, vor allem aber verurteilte er die
"jugoslawische" Politik, mit der die Gegner Steiermark und Kärnten
zerreißen und in Zusammenarbeit mit tschechischen Politikern auf den
Trümmern Österreichs einen "jugoslawischen Staat" schaffen
wollen. Er schlug vor, dem Kaiser eine Resolution zu senden, in der er
behauptete, dass "... Die tausende Mitglieder in der
Untersteiermark und in Unterkärnten zählende patriotische Štajerc-Partei
sich keine neuen jugoslawischen Staatsgeschöpfe wünsche, sie wolle
nur Österreich...und die grüne steirische Heimat dürfe nie einem
jugoslawischen Staatsgebilde zugeteilt werden..." Den
slowenischen Abgeordneten sprach er das Misstrauensvotum aus,
"denn sie würden sich für träumerische, antiösterreichische
jugoslawische Ideen einsetzen." Girstmeyer sprach über
wirtschaftliche Angelegenheiten und verlangte eine Verbesserung der
Verhältnisse für die immer schwierigere Lage der Bauern.[8]
Kaiser Karl sandte der Štajerc-Partei ein Dankschreiben, in dem er
sie für ihre tiefe Loyalität gegenüber Österreich und ihren
Interessen für eine gemeinsame Heimat lobte.[9]
Die Štajerc-Partei ging verbal noch einmal mit Korošec und den
sogenannten "Jugoslawen" hart ins Gericht und bezeichnete
deren Wirken als "wahnsinnige Träumerei von einem
jugoslawischen" Staat, zu dem die Wege über Hochverrat und
Verbrechertum führen...". Die Partei fragte sie, wer ihnen das
Recht gegeben hatte, im Namen des slowenischen Volkes zu sprechen, das
ihren Zielen nie zustimmen würde. Sie teilte den Lesern erneut mit,
dass die Parteiversammlung "eine wahre Manifestation der österreichischen
Idee" gewesen sei, und veröffentlichte noch einmal den Text des
Telegramms an den Kaiser und den seines Dankschreibens[10],
sowie eine Zuschrift aus der Umgebung von Ptuj, in dem der Verfasser
den Versammlungsbeschlüssen zustimmt und das
"Jugoslawentum" ablehnt.11
Noch ein letztes Mal meldete sich die Partei zu Wort, als sie die
slowenischen Zeitungen wegen ihrer Kommentare bezüglich des an Kaiser
Karl von der Versammlung in Ptuj gesandten Telegramms scharf angriff.
Die Idee des "Jugoslawentums" bezeichnete sie als
"Ausgeburt des so oft verfluchten Panslawismus, des
Hauptverursachers dieses unseligen Kriegs."12
Die Partei äußerte
sich erneut
lange nicht, denn sie meldete sich erst im Juni 1918 in einem Bericht
über den Empfang bei Kaiser Karl in Baden bei Wien, der am 25. Mai
1918 statfand. Im Namen der Partei sprach Linhart dem Kaiser Loyalität
aus und stellte die Partei als Vertreterin einer reinen österreichischen
Politik vor, die die Unteilbarkeit der Kronländer und Österreichs
als Gesamtheit befürwortet und sich für eine Zusammenarbeit zwischen
Deutschen und Slowenen einsetzt.13
Als Karl Linhart starb, hatte die Partei zweifellos einen wichtigen
Mann verloren, was ihr auch der Wiener Bürgermeister Dr. Weiskirchen
zugestand. Und auch das Hausorgan, der Štajerc, in einem Artikel über
Linharts elfjährige Tätigkeit in der Partei.14
Die Bedeutung dieser Gruppierung war formal gesehen nicht gross, doch
immerhin gestaltete sie maßgebliche Politik und gab damit einen
bestimmten Ton vor. Die glückliche Personalunion (Redakteur gleich
Parteiführer) und auf dem der Promotion (das Periodikum Štajerc)
garantierte der Partei ihr Bestehen auf der politischen Szene der
Untersteiermark.
Mag. Ivan Rihtarič ist Historiker, Direktor der Volkshochschule
Gornja Radgona und verfaßt gegenwärtig eine Dissertation an der
Universität Klagenfurt mit dem Titel „Štajerc und die
deutschfreundlichen Slowenen im ersten Weltkrieg“.
Štajerc;
Ivan Rihtarič: Štajerc und sein Verhältnis zur
Nationalratswahl in 1907 (Diplomarbeit). 1972, S.33.
Štajerc;
21/14 (5.7.1914) im Beitrag "Bauern, Handwerker,
Arbeiter!" ("In diesem schicksalsträchtigen Augenblick
ruft euch die "Štajerc"-Partei...").
Štajerc;
22/14 (12.7.1914) im Beitrag "Versammlung der "Štajerc"-Partei
in Ptuj"; Leiter der Deputation, Bürgermeister J. Ornig und
Mitglieder: Bürgermeister Maks Straschill aus Breg bei Ptuj,
Grundbesitzer L. Kresnik aus Črešnjevec bei Slovenska
Bistrica, Grundbesitzer Fr. Schosteritsch aus Št. Vid bei Ptuj,
Verwalter Franc Rudl aus Podlehnik bei Ptuj, Gemeindevorsteher
Obran aus Zabovci, Gemeindeberater Babusek aus Krčevina bei
Ptuj, Gemeindevorsteher Kogler aus Juvanci usw...
Štajerc;
21/14 (5.7.1914) im Beitrag "Bauern, Handwerker,
Arbeiter!" ("In diesem schicksalsträchtigen Augenblick
ruft euch die "Štajerc"-Partei...").
Štajerc;
4/17 (28.1.1917) im Leitartikel "Runter mit der Maske!"
(..."Štajerc-Partei vertritt heute einen Grossteil des
slowenischen Volkes in der Untersteiermark und Kärnten, und auch
in anderen Ländern...alles, was das slowenische Volk ist und hat,
hat es geerntet und geschöpft aus diesem mächtigen, geliebten Österreich,
für das es nun sein Herzensblut vergiesst... Das slowenische
Volk, das hinter der fortschrittlichen "Štajerc"-Partei
steht, hält es für seine Pflicht, aller Öffentlichkeit
mitzuteilen, dass die Feinde lügen, wenn sie ihm den Wunsch nach
"Erlösung" zuschreiben. Die Engländer sollen ihre Iren
und Inder "erlösen", die Italiener sollen den Slowenen
in Venetien Freiheit geben, die Russen sollen Polen, Finnen,
Balten und alle anderen Völker befreien...")
Štajerc;
30/17 (29.7.1917) in der Proklamation "Bauern, Handwerker,
Arbeiter!" ("...Männer und Frauen! Es handelt sich um
keine Parteilichkeit, um keine besonderen Ziele! Es handelt sich
um Heimat und Volk, das in diesem Krieg so fürchterlich zum Opfer
fällt. Stimme Volkes - Stimme Gottes!).
Štajerc;
31/17 (5.7.1917) auf der Titelseite in "Für den Frieden und
gegen die "jugoslawische" Hetzkampagne"
Štajerc;
31/17 (5.7.1917) in der Rubrik "Die letzten Telegramme"
und im Kommentar: "Es lebe unser Kaiser Karl, der uns
ehrlichen, siegesreichen Frieden bringen wird!"
Štajerc;
32/17 (12.8.1917) im Beitrag "Unsere Versammlung".
Štajerc;
32/17 (12.8.1917) in der Zuschrift "Aus Hajdina bei Ptuj"
("...Einen jugoslawischen Staat, der uns mit den königsmordenden
Serben vereinigen würde, wollen wir aber wirklich nicht. Wir sind
ehrliche Slowenen und wollen in der Steiermark und in Österreich
bleiben...wir sind ehrliche slowenische Bauern und wir lieben den
Kaiser und Österreich...").
Štajerc;
33/17 (19.8.1917) im Beitrag "Gegen den jugoslawischen
Staat"; Angriff auf "Das slowenische Volk",
"Wacht", "Slowene" und "Frieden"
("...sie haben uns, die bösen "Štajercianer",
verflucht und über uns Gift und Galle gespien...").
Štajerc;
22/18 (2.6.1918) im Beitrag "Die Sendung von Steiermark,
Krain, Triest und Slowenischem Küstenland" ("...denn
das Programm der Štajerc-Partei beruhte schon immer sowohl auf
der Unteilbarkeit der Kronländer im mächtigen, unzerstörbaren
Österreich, als auch auf der gemeinsamen wirtschaftlichen Arbeit
der Deutschen und Slowenen in der Untersteiermark...")
Štajerc;
23/18 (9.6.1918) im Beitrag "Karl Linhart" und "Um
den Mund zu stopfen"; Einladung zu Filmvorstellungen
"Audienz" am Sonntag, 9.6. 1918 im Stadttheater in Ptuj,
um 10., 12., 15., 17. und 20. Uhr.
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